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Respekt, Reinheit, Struktur, Hoeflichkeit, Uniformitaet und Strebsamkeit.
Jeder kennt etwas aus Japan - sei es Sushi oder Fuji, Mitsubishi oder Nagasaki. Und so stuerzen wir uns nun in dieses Abenteuer Japan und entdecken eine fast unbegreifliche Vielfalt von Kulturauspraegungen.
Als Adrian Hannah nach einer Woche am Flughafen erwartet, wird bald der erste Toilettenbesuch vorgenommen, welcher sich ob der technischen Ausstattung etwas laenger gestalten kann: anschaltbare Geraeuschkulisse zur Diskretionssteigerung sowie beheizte Toilettenbrillen sind dabei nur einige der Unterhaltungsfaktoren.
Dann geht es weiter zur Unterkunft. Hier findet sich als Baumaterial zumeist Holz, die Innenraeumlichkeiten sind ausgestattet mit Tatamimatten aus Stroh als Fussbodenbelag und Schiebetueren. Eine zusammengerollte Futonmatte ersetzt das Bett, indem sie entrollt wird. Durch Holzverstaerkte Milchglasscheiben dringt das Tageslicht hinein, Regale oder Schraenke sucht man vergebens. Insgesamt sind die japanischen Raeumlichkeiten gepraegt von einer gemuetlichen Leere, wenig ueberfluessiges ist zu finden.
Auf den Strassen von Japans Grossstaedten geht es ordentlich und gesittet zu. Die Hauptstrassen sind wie ueberall gut gefuellt. Die Shoppingbuergersteige bestehen aus einem fortwaehrend anhaltenden Menschenstrom. Geordnet und zivilisiert reiht man sich ein, wenn man einmal stehen bleiben moechte, tritt man einen Schritt zur Seite, um nicht sofort einen "Verkehrsstau" zu verursachen. Das Erscheinungsbild der Menschen auf der Strasse ist einheitlich, zum Teil fast uniform. Es dominieren schwarze Anzuege, bunte Farben sind so gut wie nicht zu sehen. Bevor man sich von den vielen Sehenswuerdigkeiten Japans beeindrucken laesst, kann man ohne Weiteres so erst einmal ein paar Tage damit verbringen staunend durch die Strassen zu laufen.
Das die meisten Japaner kein Englisch sprechen ist nicht uebertrieben. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die sprachliche Barriere sehr gross ist. Wir nehmen ein paar Stunden japanischen Sprachunterricht, um uns ein wenig besser in der japanischen Welt zurecht finden zu koennen. Unsere liebe Lehrerin Nishii Sensei bringt uns nicht nur Konichiwa (=Guten Tag) und Arigato Gozaimas (=Vielen Dank) bei, sondern hilft uns auch die kulturelle Identitaet Japans ein wenig besser zu verstehen.
Als wir mit Hilfe der erworbenen Japanischkenntnisse das erste Mal nach dem Weg fragen und ihn auf der Karte gezeigt bekommen, freuen wir uns. Auch die Empfehlung im Restaurant nach einem vegetarischen Gericht, welches wir auf japanisch erfragen und bestellen mundet sehr. Aus der Ferne klingt das eher komisch, aus der Naehe betrachtet erhaelt man eine Menuekarte mit ausschliesslich japanischen Buchstaben, bei denen man die Wurst vom Bier nicht unterscheiden kann. Dennoch muessen wir einige Japaner mit englisch konfrontieren. Ihre Hoeflichkeit verbietet es ihnen, uns schlicht abzuweisen, denn sie moechten uns helfen. Sie rufen ihre Freunde an, fragen Kollegen und moechten alles tun, damit sie uns die adaequate Antwort liefern koennen. Schnell stellen wir auch fest, dass viele den Kopf schief legen und verlegen laecheln, wenn sie nicht wissen was zu tun oder zu antworten ist. Die Hilfsbereitschaft der Japaner empfinden wir als enorm positiv.
Japan ist voller ungeschriebener Regeln und Braeuche, so ist es zum Beispiel nicht ueblich, auf der Strasse zu essen oder andere durch uebermaessig lautes Reden zu stoeren, auch laesst man jedem Individuum seinen persoehnlichen Raum. Als Zeichen des Respekts voreinander, gelten auch besonders aufwaendige Begruessungen und Symbole der Dankbarkeit, die durch tiefe Verbeugungen demonstriert werden. Hoeflichkeit und Respekt stehen im Umgang miteinander also an erster Stelle.
Es gibt auch einige (zumeist junge) Menschen, die sich in die beschriebenen Raster augenscheinlich nicht integrieren moechten: sie tragen wilde, bunte und auffallende Kleidung und haben vor Lautstaerke in der Unterhaltung nicht so eine Scheu. Doch die japanischen Comics und Zeichentrickfilme im Mangastil werden von fast allen geliebt.
Auch das weltbekannte Sushi geniessen wir sehr. Fuer den Hunger zwischendurch sticht das Fertigsushi aus dem Supermarkt alle westlichen Fastfoodvarianten aus! Aber auch der Verzehr von Sushi am Band ist ein vergnuegen - kulinarischer, als auch kultureller Art.
Ein Onsenbesuch (japanisches Thermalbad) wird im Nachhinein eine "der" japanischen Erfahrungen. Bereits aus einem der Ryokans (Hotel im japanischen Stil) waren wir mit den Regeln zur Benutzung des Badezimmers vertraut, wo neben der Dusche auch stets eine grosse, steinerne, stets mit heissem Wasser gefuellte Badewanne bereit steht. Da das Wasser allen Gaesten des Hauses (nacheinander) zur Verfuegung steht, ist aeusserste Sauberkeit vor (!) dem Einstieg ins heisse Nass unbedingte Voraussetzung. Der japanische Verhaltenskodex schreibt dreimaliges Abseifen vor dem Badegenuss vor. Gesteigert wird das Ganze dann noch bei unserem Besuch des Onsens, welche die gleiche Quietschreinheit verlangt, denn hier ist die Koerperpflege ganzheitliches Ritual. Aehnlich einem Saunabesuch wird im Onsen durch die grosse Hitze eine maximale Entspannung erreicht. Als wir uns am Eingang zur Umkleidekabine mit "bis gleich" verabschieden, ahnen wir noch nicht, dass diese Erfahrung eine nach Maennlein und Weiblein getrenntes Erlebnis bleiben wird. In dem Umkleideraum steht jedem ein Fach zu, man entkleidet sich und ein Japaner nimmt seine Schuessel voller Hygieneartikel mit hinein. Im Onsen fuer Maenner, wie auch fuer Frauen, will jeweils ein Onsenunerfahrener Auslaender mit Badehose, bzw. Bikini den Bade- und Saunabereich betreten... Und wieder zurueck, alles ausziehen... :-)... Und dann geht es zu den Waschmoeglichkeiten. Auf dem Boden gibt es einen kleinen Plastikhocker und man nimmt sich eine der Plastikschuesseln, um das Wasser ueber den Koerper zu verteilen, alles wird geschrubbt und gereinigt. Man hat das Gefuehl, es handelt sich um eine Sonntagswaesche und man selber weiss nach der zweiten Waesche eigentlich garnicht mehr, was man nocheinmal reinigen soll. Dann kommt der eigentliche Teil des Besuchs, der Gang in die Sauna und in die heissen Thermalbaeder. Entspannt und erholt treffen wir uns spaeter so im Eingangsbereich wieder und tauschen uns erfreut ueber diese Japanerfahrung aus.




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