Alles anders
From Finally India! in Fort Kochi, India on Jan 19 '08
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Aus Mamallapuram gibt's nicht viel aufregendes zu berichten. Wasser warm (ausser aus der Dusche, das ist - angenehm - kuehl), Sonne heiss (auch im Schatten), Essen gut (viel Krabben und Calamari und Prawns und und und), Tempel alt (und voller indischer Touristen), Florentine faul.
Meine Hauptbeschaeftigungen waren 1. faul sein, 2. essen, 3. lesen, 4. wellenreiten, 5. Tempel anschauen, 6. alles wieder von vorne.
Und 7. ein mittleres logistisches Dilemma zu loesen, naemlich wie lange ich noch in Tamil Nadu bleibe, welche Orte ich mir noch anschaue und ob ich dann noch einmal nach Jaisalmer fahre, wo ich am 31. Jaenner zu einer super-grossen indischen Hochzeit eingeladen bin, und wie ich es schaffe, das alles mit meinem geplanten schluss-shopping in Kochin unter einen Hut zu bringen, bevor ich ab 3.2. wieder in Aranmula das Tanzbein schwinge (hmmm...)
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Das Dilemma ist mittlerweile geloest, allerding beweist die Art und Weise der Loesung, dass es vielleicht gut waere, wenn ich mir das Gruebeln in Dilemma-Faellen abgewoehne weil es voellig ueberfluessig ist. Bei mir entstehen Dilemmi (...) immer dann, wenn zwei (oder mehr) Alternativen gleich schlecht sind, sprich: wenn mir zwei Alternativen gefallen, dann kann ich ganz leicht entscheiden, welch mir besser gefaellt. Wenn ie mir aber beide nicht so wirklich gefallen, kann ich leider nicht sagen welche mir besser/weniger gefaellt - und mache meistens dann keine der beiden, sondern irgendwas ganz anderes. So auch diesmal, aber ungeplant.
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Eigentlich hatte ich mir ueberlegt, v.a. weil mich die ungewohnte Hitze in Tamil Nadu total geschlaucht hat, auf die HOchzeit zu pfeifen, weil das alles viel zu stressig waere, und ich 2 Tage rauf in den Norden und 2 Tage wieder runter in den Sueden fuer nur 3 Tage Hochzeit gebraucht haette. Also hab ich beschlossen, die zwei Wochen vor dem Tanzkurs einfach in Tamil Nadu zu bleiben, und als naechstes in die alte Kolonialstadt Pondicherry zu fahren. Nur dass dort saemtliche Hotels ausgebucht waren, zumindest die, deren Nummern ich hatte.
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Also hab ich bei der Busstation beschlossen, doch nicht nach Pondy, sondern nach Tiruchirappalli (Trichy), eine bruehmte Tempelstadt, zu fahren. Und hab dooferweise einen Bus zum naechsten Bahnhof (1,5 Std entfernt, dann noch 1 Std warten und 4,5 Stunden Bahnfahrt) genommen, statt einfach trotzdem ueber Pondicherry zu fahren (2 Std) und von dort nach Tanjore (2,5 Std), auf halbem Weg zwischen Pondy und Trichy zu fahren, wo ich auch hinwollte. Aber dieser logistische Bloedsinn ist mir dann erst am Bahnhof aufgefallen.
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Dann bin ich 4,5 Std in einem 3. Klasse-Waggon am Boden zwichen den WCs auf meinem Rucksack sitzend (ALLES andere, inkl Gepaeckstraeger, war schon mit Menschen voll) nach Trichy gefahren.
Beim Aussteigen kommt mir ein australisches Paerchen entgegen, fragt ob ich eine Reservierung hab ("nein"), und wuenscht mir dann viel Glueck, weil alle Hotels ausgebucht sind.
Florentine klappert 1 Std lang ca 25 Hotels ab (gottseidank mit Rickshaw), alle ausnahmslos voll. Weil: "Tomorrow Sunday (20.1.) is an auspicious day to get married", und das bedeutet, dass jedes Hotel von einer anderen Hochzeitsgesellschaft de facto voll ausgebucht ist. Also fuer mich leider keine auspicious occasion.
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Florentine weiss im Hinterkopf, dass um 19:50 ein direkter Zug von Trichy nach Kochin geht, und dass - laut Internet - vor zwei Tagen noch Legewagenplaetze frei waren.
Und die Goetter sind wenigstens jetzt guetig, und mir in bisschen Buerokratie und 3x Schlange stehen hab ich um 19:40 sogar einen reservierten Liegewagenplatz.
Deshalb bin ich jetzt schon in Kochin, gehe morgen shoppen, ubermorgen fahre ich in die Berge zum Teeplantagen-wandern nach Munnar, und dann fahre ich (jetzt doch!) zur Hochzeit. Hab ja jetzt mehr als genug Zeit dafuer, voelli ohne Stress. Und Tamil Nadu kommt irgendwann anders dran, muss ja nicht alles auf einmal sein.
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Bleibt nur noch, beim naechsten Dilemma gleich von vorherein auf's Gruebeln zu verzichten und IRGENDetwas anderes zu machen. Dann loest sich alles von selbst in Wohlgefallen und allerseitige Zufriedenheit auf.
PS: Aufmerksamen Lesern wird aufgefallen sein, dass ich mit heutigm Tag Indien einmal vollstaendig (wenn auch mit recht vielen Luecken, aber immerhin doch) umrundet habe und fast meinen Reisekreis geschlossen habe! WOW!
NACHTRAG
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Zur Feier meiner Planaenderung haben die Goetter passenderweise auch gleich ein kleines Fest organisiert: nur 50m von meinem Hotel fand am Tag meiner Ankunft in Kochin die Schlussveranstaltung eines Shiva-Festes statt, mit 11 geschmueckten Tempelelefanten, vielen Musikern, noch mehr Taenzwern und noch viel mehr Publikum.
Am Nachmittag wanderten die Musiker und 3 Tempelelefanten durch die Nachbarschaft, um die Bevoelkerung zu segnen und deren Opfergaben in Empfang zu nehmen, natuerlich unter lauter musikalischer Begleitung eines typischen Kerala-Orcherstern (= 60 Musiker mit Trommeln, Tschinellen und Trompeten die wuest, wild und scheinbar unkoordiniert, aber doch mit System, ekstatische Stuecke spielen).
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Im Laufe des Nachmittags sind dann noch etliche Tanzgruppen dazugekommen, und beim Einzug der 3 Hauptelefanten auf das eigentliche Veranstaltungsgelaende waren sicher etliche 10.000 Menschen dort versammelt - wie immer bei indischen Festen, hat auch ein "ernsten" religioeses Fest einen ziemlichen Jahrmarktcharakter und es wuehlt und tummelt sich ueberall...
Nach Aufstellung der 11 Elefanten wurden diese erst einmal ordentlich mit Opfergaben versorgt und gefuettert: die Bevoelkerung hat sie ueberschuettet mit Palmenblaettern, Zuckerrohr, Reis, Kokosnuessen, gelben und gruenen Bananen, Papayas, Kuerbissen, Gurken, Melonen und allem was sonst noch vegetarisch und tragbar ist. Und die Elefanten haben munter vor sich hingefressen und den ganzen Abend nicht mehr damit aufgehoert.
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Waehrend unten die Massenfuetterung im Gange war, turnten auf den Elefantenruecken jeweils 3 Inder mit Staubwedeln (na, so schauen die Dinger jedenfalls aus), Faechern und huebschen bunten Schirmchen herum. Im Viertelstundentakt sind alle Schirme eingeklappt und gegen andersfarbige ausgetauscht worden, insgesamt sicher an die 15-20 Mal, man kann sich also vorstellen wie lang das alles gedauert hat.
Nach dem letzen bunten Schirmchen (eigentlich ein Doppeldeckerschirm mit kleinen Glocken dran) hab ich dann beschlossen, es reicht, 24 Stunden Reisen und 9 Stunden Fotografieren sind wirklich genug, und bin ins Hotel zurueckgegangen. Dort hab ich dann eine Stunde spaeter direkt vor meinem Fenster und mit wirklich ohrenbetaeubenden Laerm 45 Min. Feuerwerk serviert bekommen. Ob zu meiner Freude oder eher doch nicht (weil ich eigentlich schlafen wollte), bin ich mir nicht sicher. Am naechsten Tag hab ich das dann naemlich noch einmal, eigentlich sogar zweimal, bekommen, allerdings um 2:30 und 4:30 in der Frueh, weil offenbar die Zuender nicht ganz funktioniert haben und das fuer 18:30 angesetzte Feuerwerk natuerlich nicht abgesagt werden konnte. Inder sind Experten im (mehr oder weniger) geduldigen Warten....
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Soviel zum Elefantenfest. Das wirklich nette daran war, dass ich de facto mit ausgestreckten Armen die Elefanten beruehren konnte, weil ich ganz vorne war und natuerlich keine Absperrungen da waren (die Bevoelkerung muss ja zu den Elefanten koennen um ihnen ihre Opfergaben zu geben!). Die Polizei hat zwar versucht, die Masse auf Abstand zu den Elefanten zu halten, aber bei 6 Polizisten und ca 50.000 "normalen" Indern ist das ein aussichtsloses Unterfangen, was die Polizisten auch eingesehen haben: sie haben selber gesagt, dass es sinnlos ist, aber dass sie halt der Form halber ihre Pflicht tun muessen. Also hat die Masse brav kooperiert, ist einen halben Schritt zurueckgegangen, nur um 10 sekunden spaeter wieder 1 Schritt weiter vorne zu sein. Sehr indisch irgendwie.
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