die Wueste: endloses Land, Einsamkeit...
From Das "Round the World" Abenteuer in Khongoryn Els, Mongolia on Jul 19 '08
19. Juli: ein schoener/trauriger Tag...ich weis nicht wieso, aber an dem Morgen ist mir der Vergleich mit einer artbitteren Schokolade in den Sinn gekommen...eine suessliche bittere Nuance hatte der Morgen schon, fragt mich nicht wieso. Rafi und Peter muessen sich von uns verabschieden...wir duerfen die Tour in der Mongolei aber weiterhin geniessen...zartbittere Schokolade, das ist alles was mir einfaellt...
Es wird rechtzeitig aufgestanden, um die 2 Herrschaften auf den Flughafen zu bringen ("Flughafen" ist wohlgemerkt eine Uebertreibung ... die etwas naeher treffende Beschreibung der "Anlage" lautet: ein Feld, ein Zaun, ein weisses Gebaeude mit einem "Check-in System" aus 2 Tueren bestehend -wenn man auf der anderen Seite der Tuer stand konnte man sich als "eingecheckt" betrachten-, Kuehe auf dem Feld und...KEINE Piste. Etwas bleich waren die beiden Mutigen schon...noch ein letztes Mal winken und das Flugzeug betrachten, wie es doch geschafft hat, zu fliegen...
wir haben unsere Spuren dort hinterlassen...
Jetzt heisst es: sich auf einen laaaaangen Weg bereit machen. Es wird nochmal getankt und es geht los, denn die Streckt ist lang und das Auto russisch...also muss Gas gegeben werden. Ziel ist es, morgen irgendwann im Laufe des Tages an die Sandduenen zu kommen. Mal schauen ob das tatsaechlich klappt...Der Weg ist genau so wie bis jetzt: voller Loecher und staubig, sehr staubig. Je weiter wir fahren, desto bewusster wird es uns: wir sind am Ende der Welt...um uns, ueberall wohin das Auge reicht, nur trockene, harte Erde und eine nicht nachlassende Sommerhitze...ich denke, erst jetzt ist es mir klar geworden: wir sind in der Wueste...Die bis jetzt alle 2-3 km anzutreffenden Gers sind aus dem Bild verschwunden...vereinzelte tauchen alle 20-30 km auf, wo die trockene Erde mit einer winzigen unterirdischen Wasserquelle gesegnet ist und somit ein bisschen "Gruen" dem Gesamtbild verleihen kann...sonst herrscht wirklich eine beeindruckende Einsamkeit ... das Bild eines Landes, das keine Grenzen, das Bild einer Weite, das kein Ende hat...
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Irgendwann am spaeten Nachmittag kommen wir an die Flaming Cliffs an, eine Steinformation die etwas roetlicher ist und somit chromatisch der unendlichen Weite eine Abwechslung verleiht. Ganz in der Naehe gibt es auch einen Tempel (Ongi Tempel) der vor ein paar hunderten von Jahren noch ueber 1000 buddhistische Moenche hauste, mittlerweile aber nur noch aus Ruinen besteht und das Haus von 7-10 Moenchen darstellt...Wie wichtig ist die Zeit, was die Zeit alles anders darstellen kann, das ist unglaublich! ...
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Da es spaet genug war und wir (vor allem der Fahrer) totmuede waren, wurde beschlossen, entlang des in der Naehe liegenden Flusses zu campieren und erst am naechsten Tag weiterzufahren...es war zwar nichts im Vergleich zum schoensten Campingplatz der Welt, aber es war ebenfalls herrlich: der Klang des langsam fliessenden Wassers, der die Stille der Umgebung durchbrach, die Daemmerung dies sich langsam ueber die nicht weit liegende Wueste liess, die Sterne, die langsam den Himmel beleuchteten und immer mehr und mehr Ihresgleichen zum Fest des Lichtes auf dem blauen Himmel einluden und ab und zu eine Grille, die es wagte, einen Duett mit dem Wasser zu versuchen...es war ein wunderschoener Abend. Nach der "Dusche" m Fluss (inklusive Haare- und Kleiderwaschen) haben wir beschlossen, das Ganze sei zu schoen, um uns in der Nacht in einem Zelt zu verstecken...das Zelt wird nicht mehr aufgestellt, wir schlafen unter freiem Himmel! Ich muss zugeben, skeptisch war ich am Anfang schon, so toll ist mein Schlafsack (trotz seiner perfekten Groesse) auch wieder nicht...aber gelehnt hat es sich auf jeden Fall. Und obwohl ich s'Gfroerli bin, bin ich nicht gefroren...es war eine ganz schoen lauwarme Nacht (obwohl es nie wirklich dunkel wurde, genau wie in St. Petersburg), die man nur verschwendet haette, wenn man ins Zelt gekrochen waere.
20. Juli: Sandduenen, wir kommen! Oder wir versuchen es zumindest! Es wird ziemlich frueh am Morgen aufgestanden, alles wird ins Auto geladen (inklusive die sich jede Stunde ihren Make-up auffrischende "Reiseleiterin")und es wird weitergefahren...bis das Auto nicht mehr weiter will...dann wird gewartet (und geschwitzt) bis der Chauffeur das Problem geloest hat. (was ich vergessen hatte zu erwaehnen: das Motorgehaeuse hatte ein Loch...das Loch war schon dort, als Rafi und Peter noch mit uns waren. Dadurch, dass das Loch ganz schoen in der Mitte war, also wo die hinteren Sitzplaetze sich befanden, wurden wir jeden Tag mit einem "herrlichen" Duft beschenkt...vergeblich haben wir versucht, das Loch mit Klebeband zu ueberdecken...einen Benzinduft hatten wir immer als Begleiter in er Not... ;-) Nach Ach und Krach ging das Auto wieder...erschoepft und voller Staub (und dabei hatten wir erst gestern so schoen im Fluss "geduscht" und uns nachher so frisch gefuehlt!) kommen wir kurz vor der Daemmerung an: die Sandduenen sind jetzt nur noch 500 m von uns entfernt. Der Anblick ist wunderschoen: es ist zwar spaet, aber da muessen wir hoch!...Nach dem Essen machen wir uns auf den Weg...die Zeit ist kanpp, denn es wird bald dunkel und dann werden wir keine Spuren mehr im Sand erkennen koennen, also wird das Zurueckkommen ein bisschen problematisch sein...aber egal, hoch muessen wir. Es muss traumhaft sein, dort oben... Der Aufstieg ist muehsam: 2 Schritte nach vorne, dann tief einatmen, weil man nicht nur das Gefuehl hat, die Erde wuerde einem unter den Fuessen wegrennen, sondern das ist tatsaechlich so...und dann wieder versuchen weiterzulaufen...Durch Sand zu laufen ist gar nicht so einfach, vor allem wenn die Steigung auch nicht unbedingt als "klein" zu bezeichnen ist...aber irgendwann, muede und verschwitzt schaffen wir es oben anzukommen...na ja, "oben" ist relativ...wenn es nicht dunkel gewesen waere, waeren wir gerne weitergelaufen, es ging noch weiter nach oben...aber dafuer war es schon zu dunkel!... Manchmal muss man sich halt mit dem begnuegen, was man kriegt...nicht immer ist alles moeglich! Aber wir haben unsere Spuren dort hinterlassen...wir waren tatsaechlich dort, auch wenn der Wind unsere Spuren in Null Komma Nichts weggewischt hat und uns somit den Rueckweg erschweren wollte...wir waren dort und unser Gefuehl dort gewesen zu sein kann kein Wind mehr wegwehen!...
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Auf dem Rueckweg durften wir noch einen wunderschoenen Mond erblicken...Vollmond, herrlich! Unsere Kameras sind einfach unfaehig, das zu widergeben, deshalb muesst ihr uns einfach glauben! Alles schoen und gut...aber den Rueckweg finden wir einfach nicht mehr! Ich gebe es zu, ich hatte die daemliche Idee, in die falsche Richtung zu laufen...sorry! ;-) Nach ca. 1,5 Stunden Herumirren im Dunklen schaffen wir es, das Auto wiederzufinden. Der Chauffeur hatte sich schon Sorgen gemacht und die Lichter blinken gelassen, aber gesehen haben wir nichts...es ist ganz einfach, sich dort zu verlaufen!
Ganz schnell Zaehne putzen und schlafen gehen...wieder unter freiem Himmel...den Sternehimmel muss man geniessen! Morgen wartet ein langer Tag auf uns: den Canyon muessen wir noch gesehen haben bevor wir uns auf den Rueckweg nach Ulan Bator machen! Schade, dass man die Zeit nicht einfach in eine Schachtel einschliessen und irgendwo in einer dunklen Ecke vergessen kann...schade, dass man nicht wirklich alles hinter sich lassen kann und so lange die Schoenheit der Natur geniessen kann, bis das ganze Wesen genug davon hat...schade, dass man immer wieder weiter muss, schade, dass die Natur des Menschen ihn immer wieder weitertreibt! Schade, dass das "Heute" zwingend zu einem "Morgen" werden muss!...
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