Palmen, Surfen und Papa Chilli in Air Manis
From Asienabenteuer mit HC in Air Manis, Indonesia on Jun 19 '08
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Der Tag begann mit Warten - sitzend auf Subandi's Bank mit einem letzten Blick auf den Gigant Kerinci. Zwar hatte der erneut vorgebuchte Bus Verspaetung, dafuer aber zwei freie Plaetze. Nach sechs Stunden Busfahrt, die diesesmal ohne Zwischenstopp und sehr angenehm war, warf uns der Bus am Nachmittag in Padang raus - natuerlich wieder am Stadtrand. Wir kannten ja die Prozedur, kletterten in den ca. 1,40 Meter hohen Innenraum des wartenden Bemos und fuhren ab ins Zentrum. Wie immer verwies uns der Fahrer des Bemos in die hintere Ecke des Gefaehrts, damit wir mit unseren grossen Rucksaecken - die wir gerade so durch die Tuer quetschen konnten - am schmalen Eingang nicht so viel Platz wegnahmen bzw. diesen nicht blockierten. Generell wird jegliche Bewegung und Kletterei, v.a. mit Rucksaecken, in indonesischen Minibussen und Bemos dadurch erschwert, dass sich die schon drin sitzenden Leute keinen Zentimeter von ihren Plaetzen fortbewegen, immer in der Angst, ihren guten Sitzplatz zu verlieren - selbst wenn der Bus fast leer ist...
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Im Zentrum angekommen, galt es herauszufinden, wie wir nach Air Manis, ein kleiner Ort mit Strand zum Surfen drei Kilometer suedlich der Stadt, kommen koennen und ob es dort noch das (einzige) Homestay von "Papa Chilli" gibt - da wir im Internet nur einige jahrealte und vage Informationen bekommen konnten. Ausserdem fand Hendrik im Surfshop - den wir auch erstmal finden mussten - heraus, wo er sich guenstig ein Surfboard mieten kann.
Da es inzwischen recht spaet geworden war, Hendrik's Geburtstag und das Viertelfinale der Deutschen gegen Portugal anstand, entschieden wir uns, fuer die Nacht ein kleines, stickiges Zimmer - aber mit Fernseher! - in der grossen und lauten Stadt zu nehmen. So konnten wir zwar nicht am Strand in den Geburtstag reinfeiern, jedoch in der Stadt eine der im "Lande" Sumatra seltenen Baeckereien auftreiben (diesmal franzoesisch) und futterten um Mitternacht den groessten und sehr leckeren Schoko-Blaubeer-Kuchen, den wir dort finden konnten! Wat fuer'n Glueck - bisher in ganz Sumatra nur zwei Baeckereien gefunden und jedesmal zum Geburtstag! Nach einer Stunde Schlaf - weggedoest der vollen Baeuche wegen - machten wir die Mini-Glotze an, hatten Muehe dem Ball zu folgen, waren aber voller Begeisterung ueber das gute Spiel! Gegen halb 5 endlich am Einschlafen, plaerrte erst der Muhizin und eine Stunde spaeter begann das laute Markttreiben genau gegenueber unseres Zimmers. Mit Ohropax haben wir immerhin bis um 9 geschlafen.
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Das blaue Bemo 402 faehrt von der Minibusstation direkt nach Air Manis, doch selten. Wir fuhren mit dem blauen 433er bis zur Simpang SMU 6 und von dort aus mit dem Motorradtaxi ueber den Berg mit wunderbarem Blick auf die zwei vorgelagerten, mit Palmen bestueckten "Bananeninseln" (ihrer Form wegen, eine kleine und eine groessere) und voller Vorfreude dem blauen Ozean entgegen bis fast direkt vor Papa Chillis Haustuer. Ein schmaler, betonierter Weg fuehrte von der Dorfhauptstrasse ueber Hinterhoefe und Gaerten zur Bleibe.
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Der erste Eindruck ist schwer zu beschreiben - wir wussten aus dem Internet nur, dass Papa Chilli schon sehr alt und nicht mehr bei bester Gesundheit ist. Das Haus war grob zusammengeschustert, schien mit wenig errichtet und mit dem Notduerftigsten ausgestattet. In der brennenden Mittagshitze - wir fluechteten vor dem Haus in den Schatten eines Papayabaumes, wo ausgehungerte Denguemuecken nur auf uns gewartet hatten und die Gelegenheit natuerlich nutzten - klopften wir an die leider von aussen verschlossene Holztuer.
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Eine kraechzende Stimme meldete sich und deutete uns, kurz zu warten. Ein freundlich lachender alter Mann bewegte sich im Schneidersitz, sich auf die Haende stuetzend, langsam auf uns zu und war sichtlich erfreut uns zu sehen. Mit einem Stock versuchte er den Tuerschieber zu entriegeln - leider vergebens. Das war unsere erste Begegnung mit Papa Chilli. Wir waren sprachlos ueber den Anblick und seine Bemuehungen. Nicht so richtig wissend, was wir von der ganzen Sache halten sollten (wir wussten nicht, ob es noch jemanden gibt, der den Laden schmeisst und ab und zu nach Papa Chilli schaut), entschieden wir uns, gutglaeubig die Rucksaecke mit all unseren Habseligkeiten vor der verschlossenen Tuer zurueckzulassen und marschierten von einigen Zweifeln geplagt gen Strand.
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Dieser war landschaftlich wunderschoen: die Palmen, die sich brechenden Wellen, die bei Ebbe begehbare kleine Bananeninsel und natuerlich der herrlich ueber den ganzen Strand hinweg im Sand glitzernde Muell! Prima...
Waehrend wir den Strand entlang bis zur kleinen Bananeninsel, bemerkten uns die unzaehlig an den Strandbuden herumlungernden Jungs, die nichts zu tun haben schienen - aufgrund des wohl nicht Wollens, Koennens oder Duerfens - und weit und breit war kein ruhiges und blickgeschuetztes Plaetzchen fuer Chrissi zu sehen, die als einzige Weissbrotfrau weit und breit, stets den Sitten entsprechend gekleidet, trotzdem zum Blickmagneten avancierte. Hendrik machte sein Surfboard klar und Chrissi dachte sich nur 'Was mach' ich hier?'...
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Aus Sorge um unser Hab und Gut gingen wir nach ein paar Stunden zurueck zum Haus. Die Rucksaecke waren weg! - und die Haustuer stand offen. Jusna, die Tochter vom Papa stellte sich uns als "Hausherrin" vor und wir bezogen unsere Bude - ein wackliges und morsches Bett, viele Moskitos, die wir mit angezuendeten Raeucherspiralen versuchten zu vertreiben, ein hoelzerner Fensterladen (natuerlich wie immer ohne Fensterglas), ein kleines Regal und ein kleiner roter Abstelltisch. Alles in allem rustikal und liebevoll eingerichtet mit allem was man braucht.
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Da wir uns nun doch relativ sicher und gut untergebracht fuehlten, gingen wir gleich zurueck an den Strand und Hendrik verbrachte den Rest seines Geburtstags damit, durch die Wellen zu paddeln und auf der ein oder anderen zu surfen, bis die Sonne den Himmel in ein tiefes Rot tauchte.
Gleich am Abend wurden wir von Jusna reichlich bekocht und unterhielten uns so gut es ging auf Indonesisch und Englisch - Papa Chilli warf aus seiner Ecke, in der er sass, schlief und lebte, mit grosser Begeisterung deutsche, englische, franzoesische und sogar japanische Phrasen ein, sichtbar dankbar ueber die willkommene Abwechslung.
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Wie uns Jusna erzaehlte, wohnten die beiden bis 1997 in einem Haus, mit mehreren Huetten als Homestay, direkt am Strand. Da dieser Strand im Laufe der Zeit abgetragen wird, mussten beide in einer stuermischen Nacht, als die Wellen schon zur Tuer reinkamen, ihr Hab und Gut inklusive Haus oder was davon noch zu verwenden war, zusammensammeln, ihr Zuhause verlassen und dieses auf ein vorher von Jusna erworbenes Grundstueck karren. Mit Hilfe eines im Dorf lebenden Deutschen haben sie alles "neu" aufgebaut. Papa Chilli war damals bereits 87 (!) Jahre alt, Jusna war 40.
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Die beiden zeigten uns stolz ihre Sammlung von Buechern, in denen sich die meisten Reisenden, die ueber Jahrzehnte dort wohnten, verewigt hatten (inklusive Passbilder!!). Das erste Buch wurde leider vom Wasser zerstoert und die restlichen sahen arg mitgenommen aus, reichten jedoch bis Anfang der 70er zurueck! ;) Wir waren schon sehr beeindruckt, v.a. von der Lebensfreude, die Papa Chilli sich erhalten hat und er trotz seiner koerperlichen Beeintraechtigungen (voranschreitende Laehmung an Armen und Beinen) das Beste daraus macht. Sogar seinen Geist versuchte er fit zu halten, indem er uns indonesische und wir ihm (auf seinen Wunsch hin) deutsche Woerter beibrachten, die er mit Freude nachplapperte und auch nach einer Woche noch wusste! Toll!
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Unsere naechsten Tage gestalteten sich meist sehr aehnlich. Waehrend Chrissi es genoss auszuschlafen, schaffte Hendrik es wenigstens jeden zweiten Tag frueh um halb 7 aufzustehen. Er schnappte sich ein Stueck Kuchen, klemmte das Surfboard unter den Arm um lief in der Stille des gerade erwachenden Dorfes zum Strand - hier ein paar quaengelnde Kinder hinter dem Fenster, da ein Opi, der sich sein erstes Pfeifchen auf der Bambusbank vor dem Fenster anzuendete und auf der noch leeren Strasse ein Bemofahrer, der sein Gefaehrt vom Muell befreite und es startklar fuer den Tag machte.
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Nach gemeinsamem Fruehstueck, meist eine ordentliche Portion Salat mit gebratenem Reis (Nasi Goreng) und natuerlich mindestens zwei bis drei Koppi Susu, schnuerten wir unser Raenzchen und behingen die Palmen der kleinen und in der Woche relativ ruhigen Bananeninsel mit unseren Matten. Waehrend Hendrik auf der Jagd nach den Wellen war - mal gab es mittlere, mal kleine und mal gar keine zu "fangen" - raubte Chrissi lediglich der Welt den Sauerstoff - eine Freizeitbeschaeftigung, die die Mehrzahl der hier Ansaessigen hier tagtaeglich hauptberuflich auszuueben scheint und eine passt gelungene Anpassung! ;)
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Die einzige Abwechslung fuer Chrissi war ein Tagesausflug nach Padang, dessen Zwecke es waren, fuer euch mal wieder was zu lesen ins Internet zu stellen, Bustickets fuer die Rueckreise und Rasierklingen fuer Papa Chilli zu besorgen sowie ihm eine Freude mit gewuenschten Kopien aus dem Reisefuehrer zu machen, wo sein Name erwaehnt ist! - Er ist da maechtig stolz drauf und wollte deshalb gleich fuenf Stueck! :)
Allabendlich nach dem Sonnenuntergang freuten wir uns auf das meist gewaltige und nicht bezwingbare Kokosnuss-Kartoffel-Curry mit Huehnchen oder Thunfisch und natuerlich Reis. Vorher galt jedoch unsere Aufmerksamkeit der Koerperhygiene in einem sehr speziellen Bad:
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Tuer auf, erst kommt die Stelle, wo das Essen vorbereitet und geschnippelt wird, zwei Meter weiter ein quadratischer Brunnen mit erfrischend kuehlem, klaren Wasser und dahinter der Waschplatz mit in den Boden eingelassener Abflussvorrichtung fuer alles! ;) Dieser hintere Platz war lediglich von einer brusthohen Mauer umgeben, aber nicht ueberdacht, was den Blick auf Sterne, Sonne, verschiedenste Palmenarten und tropische Obstpflanzen sowie die Ziegen, die deren Blaetter abfrassen, freigab. Anfangs war alles etwas gewoehnungsbeduerftig, wir lebten uns aber schnell ein und fuehlten uns pudelwohl.
Chrissi's einzige Sorge waehrend dieser Tage, im Hinblick auf das anstehende Halbfinale, war der schlechte TV-Empfang im Haus und die Frage wo sonst bzw. bei wem (fast alle hatten eine riesige Satellitenschuessel hinterm Haus) man das Spiel mitten in der Nacht im winzigen und verschlafenen Air Manis sehen koennte... Gluecklicherweise schloss sie rechtzeitig einen Tag vorher "Freundschaft" mit einem Hafenarbeiter auf Wochenurlaub, den er natuerlich mit Abhaengen am Strand verbrachte. Er lud uns ein, das Spiel in seinem Haus zu schauen und nach mehrmaligem Nachfragen versicherte er uns, dass dies ernst gemeint war und fuer seine Familie kein Problem sei.
Also piepte der Wecker kurz nach 1, damit wir wie verabredet um 1:30 vor seiner Tuer stehen konnten. Mit Pfefferspray (gegen Hunde, die moeglicherweise ihr Revier verteidigen wollten) und Stirnlampe bewaffnet, machten wir uns auf, in der Annahme, die Einzigen auf der Strasse zu sein - doch weit gefehlt. Einige Jungs hingen auf der Strasse, andere hatten sich um einen Fernseher versammelt, auf dem die Uebertragung bereits lief. Wir waren wohl nicht die Einzigen die auf den Anpfiff warteten. Wir gingen weiter zu unserem Freund, der uns schon erwartete. Auf dem Weg zum Empfangsgeraet kam seine Frau mit verschlafenen Augen im Nachthemd hinter einem Vorhang hervor und wir erhaschten einen Blick auf den nun wachen 7-jaehrigen Sohn. Wie sich herausstellte, war hinter dem Vorhang das Schlafzimmer und auch das Ziel der Begierde - der Fernseher. Mist! Verdammte Zwickmuehle!
Wir fuehlten uns echt schlecht wegen der Umstaende die wir verursacht hatten, wollten aber auch die uns angebotene und ehrlich gemeinte Gastfreundschaft nicht ablehnen, da uns mehrfach versichert wurde, dass alles natuerlich kein Problem ist und wir zum Bleiben gebeten wurden. Da es uns am Herzen lag, dass der Junge seinen Schlaf bekommt, es uns nicht behagte, bis ins Schlafzimmer der uns fremden Familie vorzudringen und mit dem Wissen, dass die Uebertragung bei den Jungs auf der Strasse schon lief, bedankten wir uns herzlich und machten uns vom Acker.
Fuer die einzige Frau weit und breit und deren angeblichen Mann machten die Jungs sofort Platz, wollten uns ueberreden mit 100.000 Rp. (ca. 8 Euro) in eine bereits laufende Wette einzusteigen und los ging's. Im MOrgengrauen zogen wir durch das muxmaeuschenstille Dorf - Chrissi mit verhaltenen Fangesaengen und gluecklich ueber den Sieg gegen die Tuerken und den Finaleinzug, Hendrik einfach nur muede - und fielen ins Bett.
Nach den erstaunlich schnell vergangenen sieben Tagen verabschiedeten wir uns etwas traurig von Jusna und Papa Chilli, die uns so herzlich bei sich aufgenommen hatten.
Mal wieder in Padang fuhren wir zur Busstation, wie immer am Stadtrand, und "freuten" uns auf die vor uns liegende 24-stuendige Busfahrt quer durch Sumatra nach Medan.
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