Tag 2 - Von Buenos Aires nach Santiago
From Bis ans Ende der Welt... auf den Spuren von Klaus Bednarz in Santiago, Chile on Nov 14 '08
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Eine geruhsame Nacht, in der ich fast durchgeschlafen habe, liegt hinter mir. Gegen 7.20h entschloss ich mich aufzustehen. Der Straßenverkehr der Avenida de Mayo war schon seit kurz vor 7h lautstark zu vernehmen.
Das Frühstück im Hotel fiel relativ spartanisch aus. Eigentlich hatte ich mich auf ein Frühstücksbuffett eingestellt. Stattdessen musste ich feststellen, dass die Bedienung Bestellungen aufnimmt und liefert. Demnach landete lediglich Toastbrot, Butter, Marmelade und Kaffee auf meinem Frühstückstisch. Zu mehr reichte mein spanisch in dieser überraschenden Situation noch nicht. Noch während des Frühstücks büffelte ich fleissig weitere Vokabeln, so dass ich beim nächsten Mal für etwas mehr Variation sorgen kann.
Angekommen im "richtigen" Südamerika
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Das Gran Hotel Hispano ist keine schlechte Wahl, für einen kurzzeitigen Aufenthalt in Buenos Aires. Zum einen liegt es sehr zentral und günstig, zum anderen kann man über den Preis von US$ 54 wahrlich nicht meckern. Noch dazu hat das Hotel mit seinem Patio-Konzept eine sehr angenehme Atmosphäre. Es war eine gute Entscheidung, im Vorfeld eine zweite Nacht zu meiner Rückkehr nach Buenos Aires gebucht zu haben.
Eigentlich sahen meine Pläne vor, dass ich vor dem Aufbruch zum Flughafen noch ca. 1,5 Stunden Fotosafari in Buenos Aires betreiben würde. Diese Pläne warf ich dann kurzerhand über Bord. Ich habe auf Arbeit ständig das Gefühl, Dinge auf den letzten Drücker zu machen. Dieses Gefühl möchte ich auf dieser Reise tunlichst vermeiden. So begab ich mich also mit der U-Bahn Richtung der Busstation von Manuel Tienda Leon. Auf dem Weg dorthin - Ausgang U-Bahn Station Retiro Richtung Bussation - wurde mir bewusst, warum der Lonely Planet vor dieser Gegend warnt. In der kleinen Parkanlage lungerten einige fiese Gestalten in Grüppchen rum. Einige Augenpärchen identifizierten mich sicherlich als Gringo. Offensichtlich aber waren die Raubkatzen an diesem Samstag Vormittag nicht gefrässig, so dass unbeschadet Manuel Tienda Leon erreichte.
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Die Busfahrt Richtung Flughafen präsentierte mir nochmal diese Betonwüste Buenos Aires mit voller Wucht. Wenn an Dir innerhalb weniger Sekunden Strassenzüge an Strassenzüge passieren und Du am Ende des Horizonts ebenfalls nur Hochhäuser und Betonklötze siehst, dann wird Dir bewusst, was das für eine Megacity ist. Auf der erhöhten Autopista hat man einen guten Einblick auf die Flachdächer dieser Betonklötze. Was sich dort so alles ansammelt, an Schrott, Unrat aber auch an Infrastruktur, das sprengt die Grenzen Deiner Vorstellungskraft. Im Regenwald von Neuseeland sagte ich mir immer "... das ist nicht echte Natur, ein Millionär hat das sicherlich für Unmengen an Geld künstlich angelegt...". Die zuvor beschriebenen Eindrücke von Buones Aires riefen in mir die Gedanken hervor "... das ist keine echte Stadt, es handelt sich um einen Animationsfilm...".
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Am Flughafen angekommen realisierte ich, dass mit dem Weiterflug nach Chile meine Reise so richtig beginnt. Zum Anfang meiner Planung war es ja eigentlich eine "Chile Reise". Im Laufe der Planung wurde es dann eine "Chile und Argentinien Reise". Ich habe aber niemals einen Hehl daraus gemacht, dass mir das Land Chile mit seinen Menschen und seiner Geschichte sehr ans Herz gewachsen ist, ähnlich wie Neuseeland.
Am Flughafen von Buones Aires habe ich eine spannende Entdeckung gemacht. Während europäische Fluggesellschaften in einer Stewardess offensichtlich immer mehr eine Erfüllungsgehilfin sehen, haben südamerikanische Airlines wohl noch die gleiche Auffassung, wie bei uns vor ca. 20 Jahren: die Mädels müssen taufrisch und knackig sein. Auf dem Weg von der Sicherheitskontrolle zur Ausreisebehörde liefen neben mir sechs junge Damen der Fluggesellschaft Aerolineas Argentinas. Wenn die Mädels keine Uniform getragen hätten, hätte ich sie sicher glatt für Models gehalten. Zu Anfangs hielt ich das für einen Zufall bzw. nicht Regelkonform. Als ich aber dann die Mädels meiner chilenischen Fluggesellschaft LAN an Bord gehen sah, bestätigte sich die zuvor erwähnte Theorie: in Südamerika werden Stewardessen offensichtlich gecastet.
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Der Flug von Buenos Aires nach Santiago de Chile verging dieses Mal so richtig "wie im Flug". Kaum waren wir gestartet, da schlief ich schon ein. Der Snack wurde glücklicherweise serviert, als ich wieder zu mir kam. Nach einem kurzen Toilettengang stellte ich fest, dass die hinteren Reihen nicht besetzt waren. Ich schnappte mein Handgepäck und hatte just in dem Moment einen Fensterplatz, als wir kurz nach dem Passieren der argentinischen Stadt Mendoza die ersten Ausläufer der Anden erreichten. WOW, was für ein Anblick, was für ein Moment.
Über den Wolken ist die Freiheit manchmal nicht nur grenzenlos, über den Wolken hat es zumeist auch Kaiserwetter. Ich vernahm unzählige Andengipfel, schneebedeckt und prächtig im Anblick. Dieses Szenario hielt eine ganze Weile an. Die Landschaft unter mir schien für mich schwerdurchdringbar und unberührt. Jetzt war dies aber nur eine Ost-West Überquerrung der Anden. Man stelle sich vor, man fliegt über die Anden von Feuerland bis Equador... unvorstellbar!
Als die Turbinengeräusche der Maschine spürbar nach Landeanflug klangen, fing es bei mir so richtig an zu kribbeln. Als wir merklich an Höhe verloren haben, ich die liebliche Landschaft unter mir, kleinere Berge mit Gipfelkreuzen und die Panamericana erspähen konnte, kam es zum ersten Mal auf dieser Reise zu einem Ausbruch von Glückseeligkeit. Ich jubelierte innerlich und fühlte wirklich so richtig glücklich. Ein weiterer Reisetraum in meinem Leben war gerade in Erfüllung gegangen: ich lande tatsächlich in Chile!
Der Flughafen in Santiago wirkte auf mich um einiges moderner als der in Buenos Aires. Meine ersten Schritte auf chilenischen Boden führten mich natürlich wieder zuerst zur Einreisebehörde. Ähnlich wie in Buenos Aires, saßen in den Glaskabinen vornehmlich junge Damen. Diese sahen merklich mehr nach Südamerika aus - argentinische Damen könnten auch Spanierinnen oder Italienerinnen sein - , waren aber mindestens so hübsch. Ich habe im Verlauf meiner Reise ja noch zwei Einreiseformalitäten nach Argentinien und eine nach Chile zu erledigen... allerdings aber auch den Verdacht, dass die Frauendichte in diesem Beruf in Patagonien und Feuerland die 5%-Hürde nicht überschreitet.
Nachdem dieses Mal mein Gepäck in Rekordzeit ankam, wollte ich diesen Zeitgewinn weiter ausbauen. Mittlerweile war es schon 16h. vielleicht kann man ja noch was aus diesem Tag rausholen. Ich entschied mich für einen Transport zum Hotel in einem Minibus. Dieser Service ist für unglaublich günstige US$ 9 zu bekommen. Die kleinen Busse sind klimatisiert, die Fahrer nette ältere Herren und man wird bis vors Hotel gefahren.
Nachdem allerdings noch drei andere Gäste im gleichen Minibus unterwegs waren, wurde aus dem Blitztransfer eine Stadtrundfahrt. Insgesamt war ich wieder eine Stunde unterwegs, im Nachhinein aber auch dankbar dafür. Ich konnte mir auf diese Weise wirklich ein sehr genaues Bild von Santiago verschaffen. Wir durchkreuzten Strassenzüge, die von unglaublichen Handelsplätzen geprägt waren. Vergleichbare Ladeninfrastruktur habe ich bisher nur im ehemaligen Ostblock, in Riga vernommen. Natürlich handelte es sich hierbei nur um ein Viertel, ein paar Strassen weiter kamen wir dann so richtig ins Zentrum. Auf den Strassen pulsierte aber das südamerikanische Familienleben. Mit Kind und Kegel waren sie unterwegs. Auch diese Eindrücke sind wieder äußerst schwer in Worte zu fassen, es würde den Platz und auch den Rahmen sprengen. Für mich war aber in diesem Moment klar: jetzt bist Du wirklich in Südamerika! Die Menschen sehen so anders aus, als noch in der Stadt am Rio de la Plata.
Kurz nach 17h kam ich dann endlich im Hotel Vegas an. Die Dame an der Rezeption kam mir gleich bekannt vor, da sie auf einem Promofoto auf deren Webseite abgelichtet ist. Die Herzlichkeit der Chilenen im Umgang mit Touristen wurde mir in den folgenden Minuten in vollem Maße entgegengebracht. Eine ältere Dame schlich die drei Stockwerke mit mir hinauf, um mir mein Zimmer zu zeigen. Ich war sofort von dem 70´er Jahre Flair des Hotels begeistert. Auf den Bildern im Internet sah das ja schon so toll nach Retro aus, in echt wirkte es aber noch viel besser. Ich habe mich auf all den Reisen selten in ein Hotelambiente mehr verliebt, als in den ersten Stunden im Hotel Vegas. Das sehr idyllische Außenambiente im Paris Londres Viertel mit seinem Kopfsteinpflaster trägt dazu auch noch ein Stück weit bei.
Ich hielt mich lange auf meinem Hotelzimmer auf, da zog es mich schon auf die Straßen von Santiago zur Entdeckungsreise. Ich wollte unbedingt noch ein paar Impressionen von dieser Stadt einfangen, an einem Tag, der ansonsten als Transittag in meiner Reiseplanung gekennzeichnet war.
Ich lief ein paar Meter in den einzelnen Fußgängerpassagen auf und ab, da überkam mich dann doch das Hungergefühl. Mittlerweile hab ich mir konsequent angewöhnt, in Sachen Restaurant Auswahl dem Lonely Planet zu vertrauen. Er empfahl in der näheren Umgebung ein Lokal, welches man ausschließlich für große Portionen zu günstigen Preisen aufsuchen sollte. Alles, was dieses Lokal für einen Touristen nicht bietet, haben die Autoren mit diesem Hinweis doch bewusst verschwiegen. Im El Masticón angekommen, war mir beim ersten Blick sofort klar, was der Lonely Planet mit seinen zweideutigen Aussagen zum Ausdruck bringen wollte. Hier speisen nur Chilenen und Insider. Das Lokal hätte ich selbst nie gewählt, das muss ich schon zugeben. Die Speisekarte imponierte mir allerdings sehr, da ich doch eine stattliche Anzahl an Gerichten mir selbst übersetzen konnte. Einmal in dieser Spelunke Platz genommen, kam auch schon die Bedienung auf mich zu. Eine Chilenin mittleren Alters, die zu Zeiten des Pinochet-Putschs sicherlich ein scharfe Chili-Chote war... mittlerweile kommen mir die Standardsätze beim Bestellen in Spanisch schon sehr flüssig über die Lippen. Schwierig wird es nur dann, wenn Rückfragen kommen. Hm, ich finde das dann immer sehr schade, denn meine limitierten Spanischkenntnisse fliegen dann gnadenlos auf. Die Dame resignierte dann nach einigen Bemühungen und winkte ab. Das hat mich ehrlich sehr gekränkt, denn all die anderen Begegnungen mit Chilenen verliefen in diesen ersten Stunden anders. Während ich also mein Steak mit Pommes verschlungen habe, paukte ich fleissig in meinem Kauderwelsch-Büchlein weiter. Ich brauchte noch 1 - 2 Sätze, mit denen ich die Dame doch noch versöhnen kann. Als sie mit einem leicht abwertenden Blick auf mich zukam, um das benutzte Geschirr abzuholen, grinste ich sie über beide Ohren an und gab ihr ein "Gracias, estaba sabroso". Nun lächelte sie leicht gequält. Gleich schob ich noch ein einfachen "la cuenta, por favor" hinterher. Die Qual in ihrem Lächeln wich, nun hatte es etwas leicht versöhnendes. So richtig für mich gewinnen konnte ich sie allerdings dann beim Bezahlen, denn zum einen kann ich die Zahlen in Spanisch mittlerweile relativ fehlerfrei aufsagen (was in Chile aufgrund der hohen Pesobeträge um einiges schwerer ist, als noch in Argentinien), zum andern machte ich ihr klar, dass der Rest als Trinkgeld verstanden werden kann. Zu erwähnen ist noch, dass das Steak mit Pommes und einem halben Bier unglaubliche vier Euro gekostet hat. Und geschmeckt hat es auch.
Gegen 20h kam ich dann wieder ins Hotel. Nachdem ich ca. 70 Mal die "CH+" Taste auf der TV Fernbedienung drückte, hatte ich das Gefühl, einmal kurz durch ganz Lateinamerika gezappt zu haben. Ich bleib bei einem Moviechannel hängen, der einen 80´er Jahre Hollywood Streifen zeigt, in englischem Original mit spanischen Untertiteln. Ich erkannte darin für mich eine weitere Möglichkeit ein paar brauchbare umgangssprachliche Redewendungen aufzuschnappen. Wer weiß, vielleicht besuche ich ja nochmal das Lokal El Masticón...
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