Bye bye Mongolei...
From Das "Round the World" Abenteuer in Ulaanbaatar, Mongolia on Jul 22 '08
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21. Juli: Herr Meier hat eine dringende Frage, die er beantworten muss: koennen Kamele galoppieren? Hm, Peter hat es geschafft, auf dem Kamel zu bleiben als das Vieh einfach mal Lust hatte, zurueck nach Hause zu rennen...da Herr Meier nun ein erfahrener Reiter ist (2 Mal in seinem Leben im Sattel gesessen) moechte er seine Faehigkeiten auch mit Kamelen testen... ein Mann, ein Wort! Also suchen wir am Morgen bevor wir in Richtung Canyon weiterfahren, ein Ger, das auch Kamele besitzt (zugegebenermassen, in der Mongolei gar keine grosse Sache, da sie sich das ganze Jahr nur von Kamelmilch, Kameljoghurt (getrocknet) und im Winter von Kamelfleisch ernaehren...) Fuendig geworden...undzwar ganz schnell! Grinsend fragt uns die Besitzerin der huebschen und "gut riechenden" Tieren, ob wir 1/2 oder 1 ganze Stunde wollen...hm, wieso grinst sie wohl dabei so? Weiss sie etwas, das wir nicht wissen? So oder so, wir werden es herausfinden...aber ihr Grinsen hat uns schon ein bisschen Angst gemacht...(ich denke, Herr Meier beginnt auch daran zu glauben, dass Kamele tatsaechlich galoppieren koennen). Nach einer kurzen Besprechung (bzw. wir schauen uns kurz in die Augen, schauen die in der Sonne gemuetlich liegenden Kamele an und beschliessen einstimmig: "1/2 Stunde reicht"! ;-) geht es dann los: wir muessen in den Sattel. Hm, ploetzlich fuehle ich mich gar nicht mehr so klein, ich meine, bei den Tieren hat nicht einmal Herr Meier eine Chance einfach runterzuspringen, falls er das Galoppieren nicht so "elegant" und als schaedlich fuer sein Image empfindet... ;-) Die ueblichen Touristenphotos werden geschossen...aber wir machen es etwas vorsichtiger als Peter, die Kamele sollen schliesslich nicht davonrennen, zumindest nicht waehrend wir noch drauf sitzen! ;-) 1, 2, 3 und es geht los...(kurze Anmerkung: wir haben uns fuer die Variante "mit Fuehrer" entschieden. Ich meine, Pferde sind kein Problem fuer uns, nicht einmal fuer Herr Meier, der es bei seinem letzten Reitausflug geschafft hat, das Pferd nach 5 Minuten Stillstand dazu zu bringen, 2 m in die richtige Richtung zu laufen. Dass es nachher wieder nicht mehr weiterlaufen wollte und unser Fuehrer zurueck musste, um Ronney und sein Pferd zu uns zurueckzubringen ist eine andere Geschichte...aber das lassen wir vorerst Mal in Vergessenheit... ;-) Komisch, irgendwie macht es die Dame (unsere "Fuehrerin") ganz einfach...bei uns klappt es nicht so ganz...Peter, bist du sicher, dass es wie mit den Pferden funktioniert? Na ja...einigermassen. Mein Kamel war aber ein Kletterfan, undzwar ein besessener! Immer als ein kleiner Huegel vor uns war, konnte das Vieh nicht ringsherum laufen sondern musste den Erdhaufen besteigen...dabei war Herr Meiers Kamel ganz ruhig ... er wollte doch herausfinden, ob Kamele galoppieren koennen, nicht ich! Ich bin also irgendwie im falschen Film!... na ja, Herr Meier war schlussendlich auch im falschen Film: eine Riesenfliege (ich tippe mal auf eine Pferdebreme) hat ihn fuer ein Tier gehalten und ihn gestochen...(wahrscheinlich war sein Kamel deshalb so ruhig, derjenige der all die Stiche an seiner Stelle gekriegt hat, war Ronney! ;-)) Kurze Zusammenfassung: Kamele sind ganz liebe Tiere, haben super schoene, grosse und traurige Augen, sie aber zu reiten (vor allem als doofer Tourist, der keien Ahnung hat, wie man das richtig macht) ist verdammt unbequem! Ich bleibe lieber bei Pferden! Und die Tour in Argentinien werden wir sicher nicht mit Kamelen machen...Pferde werden bevorzugt! ;-) (wir haben uebrigens beschlossen, in Argentinien Pferde zu mieten (oder sie sogar fuer die Zeit zu kaufen und nachher wiederverkaufen) und eine Reittour von ein paar Wochen zu machen, wenn es geht bis nach Chile zu reiten!)
Nach unserem Reitausflug geht es endlich weiter in richtung Canyon...wir sind zwar optimistisch, aber das Auto will einfach nicht! Ich bin mir sicher, das raecht sich, weil wir in Russland kein Wort russisch sprechen konnten...der Geist seines Heimatlandes ist in ihm geweckt worden und es will uns einfach nicht mehr weiterbringen...hat irgendeiner von euch eine Idee, wie man sich mit einem russischen Auto versoehnen koennte? Scheinbar nicht...und sagt ja nicht, das Auto kicken wuerde helfen. Wir haben es naemlich versucht...erfolglos! Unser Chauffeur ist nun "leicht" genervt! Wir haetten heute nicht nur den Canyon erreicht haben, sondern sogar einen gemuetlichen Campingplatz finden muessen um einen langen und guten Schlaf geniessen zu koennen und am kommenden Tag in aller Ruhe zurueck nach Ulan Bator fahren. Das koennen wir aber vergessen! Unser Auto will den Geist aufgeben, keine 5 m faehrt es, bevor es wieder 1 Stunde stehen bleibt. Andere Autos haben auch angehalten und da waren sogar mehrere Maenner am werken und am sich beraten, was das Problem sein koennte (ob das ein gutes Zeichen ist, mehrere Maenner die ein mechanisches Problem zu loesen versuchen? ;-)) ... sind aber zu keiner brauchbaren Schlussfolgerung gekommen. Da wir einfach nicht weiter kommen, muessen wir (gezwungenermassen) das Zelt einfach hier aufstellen ("hier" heisst ein paar Kilometer vor der naechsten "Stadt" und ein paar mehr Kilometer von dem Canyon entfernt. Es windet wie bloed und es ist schon dunkel! Gekocht wird mit Taschenlampenlicht, das Zelt wird auf jeden Fall aufgestellt und es wird gehofft, dass es am naechsten Morgen noch vorhanden sein wird! (der Wind war verdammt stark!) Werden wir es noch schaffen! Schauen wir dann morgen, heute Nacht wird tief und fest geschlafen!
Koreanischer Vodka als Abscheidsgeschenk
22. Juli: Evrika! Das Auto faehrt! Die komischen Geraeusche des Motores ignorieren wir mal, das muss so klingen! ;-) Wir naehern uns der Stadt an...das darf wohl nicht wahr sein: kein Benzin mehr! Wir sehen die Stadt vor uns...noch 10 km und wir waeren dort, koennten tanken, koennten nachher weiterfahren...ich meine, das Auto faehrt endlich wieder, es will uns nicht mehr im Stich lassen! Und jetzt das...kein Benzin. Also bleiben wir wieder stehen und warten, warten dass ein Auto vorbeifaehrt, das genau die gleiche Art Benzin hat, wie unser Touristenauto. Hm, ich befuerchte, wir werden ewigs warten muessen! Nur Touristen haben -wie gesagt- solche Autos, der Rest hat brauchbare Jeeps...Schlussendlich faehrt etwas Aehnliches vorbei...fuer einen Ueberpreis "schenken" sie uns sogar ein paar Liter benzin, damit wir bis in die Stadt kommen. Keine Wahl gehabt, wir mssten das "grosszuegige Geschenk" annehmen! In der Stadt wird endlich getankt und nachher zielstrebig in Richtung Canyon gefahren.
Geschafft! Der Eingang ist in Sichtweite...wir bezahlen sogar fier das Ticket und fahren in den Canyon...20 km muessen wir noch mit dem Auto fahren und nachher geht es nur noch zu Fuss weiter. Bei km. nr. 17 gibt das Auto endlich auf: es ist eine Steigung und es schafft es nicht drueber zu kommen. Der Chauffeur muss wieder reparieren. Die einzige Loesung ist, weiter zu Fuss zu gehen (eine Qual fuer unsere "Reiseleiterin", die gerade mal im Schneckentempo 1 km in 15 Min. schafft und nachher fast am Sterben ist). Irgendwo unterwegs hat sie dann aufgegeben und gement, sie wuerde gerne auf uns warten wenn das moeglich sei! Zum Glueck hat sie es gesagt, waere sie mitgekommen, waeren wir heute noch unterwegs! Also gehen nur wir weiter...der Canyon ist wirklich schoen, die Souvenirverkaeufer sind ebenfalls anwesend (die waren fuer uns immer ein Zeichen, dass wir uns nicht verlaufen haben und auf dem richtigen Weg sind)...das Highlght des Canyons war fuer uns nicht wirklich ein Highlight: 6-10 Quadratmeter Eis. Fuer die Mongolei mag das wohl ein Wuder sein, fuer jemanden der die Schweizer Alpen auch nur aus der Ferne gesehen hat, ist es ein ... Stuekchen Eis? ;-) Aber die Landschaft bis dorthin war herrlich. Und die kleinen, hamster-aehnlichen Tierchen, die uns mit ihrer unglaublchen Geschwindigkeit herausgefordert haben, sie zu photographieren, das alles hat sich auf jeden Fal gelohnt!
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Noch einmal nach hinten schauen, ein letztes Photo von einer kleinen Pferdeherde machen und ganz bewusst der Mongolei "adieu" sagen...das habe ich zumindest gemacht! Zurueck beim Auto (nach den langsamsten 3 km unseres Lebens, da wir auf unsere "Reiseleiterin" warten mussten, die bereits nach dem 3 km langen Hinweg erschoepft war und nun das Rennen gegen eine Schnecke auf dem Rueckweg verlieren wuerde) kriegen wir die gute Nachricht, dass es doch weitergefahren werden kann...also, Ulan Bator, wir kommen! Eigentlich sind wir einen Tag hintendrein! Aber das schaffen wir noch...wahrscheinlich wird die Nacht durchgefahren...nein, wird es doch nicht! Unser Chauffeur ist erschoepft, hat in den letzten 2 Tagen insgesamt 9 Stunden geschlafen, da er in der Nacht immer am Auto reparieren war. Der Plan lautet folgendermassen: es wird kurz geschlafen (es war kurz nach Mitternacht) und sobald es hell genug draussen ist, wird weitergefahren. Hell genug wurde es um 4 Uhr morgens...fuer die 4 Stunden haben wir die Zelte gar nicht mehr aufgestellt sondern sind einfach neben dem Auto, irgendwo im Windschutz in den Schlafsaecken eingewickelt tief und fest eingeschlafen...
23. Juli: Im Nu war es schon Tageslicht...weiter geht es...300 km noch vor uns und am Abend (spaetestens am naechsten Morgen vor 7 Uhr ) muessen wir dort sein. Langsam...aber sicher kommen wir vorwaerts! Der Mongolei haben wir (denke ich) beide schon "Bye bye" gesagt...der heutige Tag ist einfach Muedigkeit und Stress: kommen wir rechtzeitig an? Ein Rennen gegen die Zeit...und unser Auto laesst sich Zeit. In seinem "Alter" ist wahrscheinlich das einzige, was es noch hat, Zeit! Es gibt den Geist auf...irgendwo inmitten der endlosen Weite. Waehrend wir auf die Entscheidung des Chauffeurs warten: "wird es weiterfahren koennen oder nicht? " befreunden wir uns mit einem Hundi, den ich mit Bombons gluecklich gemacht habe... Es ist 19 Uhr...in 13 Stunden haben wir den Zug und bis Ulan Bator sind es noch 240 km. Das Auto koennte angeblich schon noch fahren, einfach in einem Schneckentempo. Dass die ganze Nacht durchgefahren wird (so haetten wir es vielleicht geschafft) kommt nicht in Frage...die Lichter sind kaputt gegangen, also koennen wir nur noch so lange fahren, bis es hell genug draussen ist. Nachher keine Chance mehr.
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Wir sind langsam am Verzweifeln: keine Autos die vorbeifahren, die die es tun sind schon voll ("voll" definiert man in der Mongolei als "doppelt besetzt": 12 Personen in einem 6-Personen Wagen)...Pferde mieten? Lacht nicht, wir haben ernsthaft darueber nachgedacht...auch wenn wir den Zug schussendlich vielleicht doch verpasst haetten, wir haetten zumindest alles Moegliche versucht! (obwohl am stilvollsten Ziegen oder Schafe gewesen waeren...stellt euch mal unsere Ankunft am Bahnhof auf Ziegen vor!... ;-)) Leider haben wir niemanden finden oennen, der uns Pferde fuer so eine Strecke mieten wollte (ach komm, es waren ja nur 240 km!... ;-))
Schlussendlich sind wir bis ins naechste Kaff gefahren, wo wir (waehrend wir am verzweifeln waren) Riesenglueck hatten und der Bus (den es nur 1 Mal die Woche gibt) aus der Gobi nach Ulan Bator anhalten sehen. (die Chancen, dass er gerade heute faehrt waeren gering gewesen, aber er ist gefahren! )Wieder einmal Glueck gehabt! In Eile alles mitnehmen und aufbrechen: 4 Stunden und eine tolle, einmalige, lokale, mongolische Busfahrt spaeter kommen wir in Ulan Bator an. Noch 6 Stunden bis der Zug abfaehrt...am Bahnhof duerfen wir seltsamerweise unsere Schlafsaecke nicht auspacken und einnicken...also gehen wir (von den Bahnhofspolizisten fast verjagt und totmuede) eine Runde drehen und schliesslich in ein Cafe warten...und fast einschlafen!
24. Juli: Ziemlich schnell wird es wieder hell, 1 Stunde und wir sind unterwegs nach Peking...duerfen dann endlich mal im Zug schlafen. Draussen ist es verdammt kalt und wir werden (wieder zurueck am Bahnhof) ziemlich seltsam angestarrt. Woran liegt das wohl? Dass wir tonnenweise Staub auf den Kleidern und totmuede Gesichter hatten...das koennen nicht die Gruende gewesen sein, oder? ;-) Die letzte mongolische Ueberraschung kommt aber noch: der Typ, der genau wie wir, am erfrieren war und neben uns auf der Bank sass, beschenkt uns spontan mit einer Flasche koreanischer Vodka und ein paar Suessigkeiten. Alles was er auf Englisch erklaeren konnte war, dass er mit Korean Airways gerade geflogen sei und das als Geschenk bekommen habe...toll! Vielen Dank, wer auch immer das war!
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Der Zug ist da, einsteigen, ueberraschenderweise eine Dusche nehmen duerfen (fuer umgerechnet ca. 2 Franken) und endlich mal einschlafen...Peking, wir kommen...langsam aber sicher!
Die Mongolei...mehr als nur ein Name! Eine traumhafte Geschichte mit ungalublichen Orten, mit herrlichen Pferdeherden, unbeschreibbaren Sonnenuntergaengen, beeindruckender Ruhe, beruhigender Stille, kristallklaren Wasserklaengen, zarter Grillenmusik, beeindruckender Einfachheit, lustigen Sandfeen, niemals zu vergessenden Spuren...ein Traumort! Ich habe der Mongolei zwar "Adieu" gesagt, aber ein Teil von mir ist dort geblieben, geniesst immer noch diese Stille und diesen Sonnenuntergang jeden Abend erneut...ein Teil von ihr ist in mir geblieben, ihre Spuren geschuetzt in einer Ecke meiner Seele, wo kein Wind sie wegwehen kann und ich immer den Rueckweg zu ihr finde...
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