Hello, hello........
From Seelensuche in Südostasien (Januar+Februar 2008) in Hue, Vietnam on Jan 29 '08
Hab mir heute frueh gleich ein Rad ausgeliehen und rein in den Strassenkampf. Regeln gibt es ja bekanntermassen keine - also immer der Nase nach und nur keine Angst zeigen. Hab dann nach nem Stop am Baguettestand und Gang ueber den Markt-hab mir Fruechte gekauft, die wie ne rote stachelige Kastanie aussehen und wenn man die Schale wie bei ner Kastanie aufmacht kommt so was wie ne Litschi raus, lecker!!- die Zitadelle unbeschadet erreicht und dann begann es auch schon. Was?? Hello, hello, hello......!
Noch kurz was zum allgemeinen Verstaendnis ueber die Zitadelle Hues. Das ist so eine Art quadratische Stadtmauer mit einer Seitenlaenge von sage und schreibe 2,5 km also einer Gesamtlaenge von 10 km. Der Zugang zur Zitadelle erfolgt ueber 2-3 herrlich anzusehende Torgebaeude je Seite. Innerhalb dieses Quadrats befindet sich nocheinmal eine Mauer, welche die alte Kaiserstadt einschliesst, ich glaube 3 km lang. Um die Kaiserstadt herum, aber immer noch innerhalb der Zitadellenmauern befindet sich die sogenannte Altstadt Hues(es gibt Dank der Amis allerdings kein Gebaeude welches den Krieg ueberlebt hat). Verzweigt, verwinkelt und kaum zu durchschauen.
Bin also erstmal die aeussere Mauer an der Innenseite entlanggefahren und hab das Gefuehl gehabt, seit den Amis der erste Auslaender in diesen Bereichen der Zitadelle und noch dazu auf nem Rad gewesen zu sein. Ueberall erstaunte Gesichter, lachen und Hello, hello.....!! Besonders die Kinder, aber auch die Erwachsenen begruessten mich wo immer ich gerade langfuhr - ueberwaeltigend!! Leider ist wie gesagt seit dem Vietnamkrieg nichts von der eigentlichen Altstadt ueber, aber auch mit den 30 Jahre alten Gebaeuden verstroemt diese Zitadelle ein unheimliches Flair, wirkt die Geschaeftigkeit auf den schmalen Gassen immer noch anheimelnd. Da ja innerhalb der Zitadelle kein Platz fuer den Gartenbau ist, haben die Leute einfach die komplette Mauer, die von innen gesehen aus drei Terrassenstufen aufgebaut ist, in einen gruenen Garten mit allem was die einheimische Kueche so braucht, verwandelt. Aussen um die Zitadellenmauer fuerht ein ca. 10 m breiter Wassergraben, der in Teilbereichen mittlerweile auch intensiv zum fischen oder als Wassergarten genutzt wird bzw. mit Wasserpflanzen bedeckt ist. Nachdem ich also ueber abseits vom Touribereich liegende Maerkte geschlendert bin, ich war der Einzige ueber 1,60 m, musste mich dementsprechend haeufig unter den quer ueber die Gassen haengenden Sachen buecken, was jedesmal enorme Heiterkeit bei allen umsitzenden Marktfrauen hervorrief, gings zur Mauer um die Kaiserstadt. Der Zugang zur Kaiserstadt erfolgt auch nur ueber ein Tor je Seite, also ueber 4 Tore. Wie schon die noch stehenden Gebaeude der Kaiserstadt, sind auch diese Tore ueberaus aufwaendig mit Mosaiken verziert, die bei naeherem Betrachten aus zerschlagenem Porzellangeschirr hergestellt sind. Tolle Idee und sieht super aus, da die Scherben in allen Farben verarbeitet wurden und daher die herrlichsten Mosaike mit Blumen, schillernden Voegeln und allen nur erdenklichen Motiven entstanden sind.
Nach der Zitadelle bin ich weitergeradelt und zwar zu einer Pagode, die 3 km ausserhalb Hues liegt. Selbst hier gab ich auf meinem Fahrrad scheinbar ein so ungewohntes Bild ab, dass auch hier dass Hello, hello..... allgegenwaertig war. Nach Besichtigung der huebschen Pagode fuhr ich einfach noch ein Stueckchen weiter auf der Strasse entlang. Bis zur Pagode war die Strasse vierspurig touristengerecht ausgebaut, ab hier 1,5-spurig, loechrig und uneben. Als ich um die naechste Kurve fuhr, hatte ich auch hier wie schon einigemale heute das Gefuehl ein paar Jahrzehnte in der Zeit zurueckversetzt zu sein. Rechts und links der ^Strasse^ teils Bretterbuden neben nagelneuen Haeusern, einfachste Lebensverhaeltnisse neben, auch aus unserer Sicht, Villen. Auch hier wieder unglaeubige Blicke und je weiter ich fuhr erstauntes Hello, hello...!
Nach ein paar Kilometern im fruehen 19. Jahrhundert bin ich dann auch wieder umgedreht und wieder ins dritte Jahrtausend eingetaucht. Einmal durch die City von Hue und nach nem Kaffee gleich nochmal auf der anderen Seite aus dem Touribereich raus und links die naechste Gasse rein auf eine Insel im Parfumfluss - der fliesst hier mitten durch Hue. Ich hatte von der City aus gesehen, dass dort unheimlich viele Boote der Einheimischen vor Anker lagen und wollte auch das mal aus der Naehe sehen. Also rueber ueber die schmale Bruecke und..zack-wieder der Zeitsprung. Der Weg den ich langfuhr war nur noch 1-2 m breit, so dass ich quasi durch die Wohnzimmer der Leute fuhr und auch wieder dementsprechend begruesst und bestaunt wurde. Gleich nochmal links Richtung Fluss hinter ein paar Baracken lang und dann war da auch schon die Horde Kinder jeden Alters und ein riesiges Hello, hello.....! Anfangs ein paar Haende, die Geld haben wollten, aber nachdem ich als Antwort darauf auch meine Hand aufhielt, war schnell klar, dass es bei mir nichts geben wird. Kein weiterkommen ohne nicht zumindest ein paar Bilder geschossen zu haben, die ich als Eintritt in diese so andere Welt, dann auch den Kindern zeigte. Lachen, gefeixe und Gedraengel weil alle sich auf meiner Kamera sehen und bestaunen wollten. Nach einigen immer wieder neu geforderten Fotos gings dann weiter durch Gassen und schmale Wege. Irgendwann war ich am Ende der Insel angekommen, wo auch gleich wieder die Kinder mein Fahrrad umringten. Ein kleines Maedel kletterte gleich auf den Gepaecktraeger, so dass ich die letzten 30 m schiebend bis zur Inselspitze unter lautem Gejohle der Kinder und Erwachsenen einen Passagier hatte. Hier lagen die Boote dicht an dicht, schmale vielleicht 8 m lange und 1-2 breite Boote. Waesche hing zum trocknen quer und laengs an Bord, die allgegenwaertigen Holzkohleoefen qualmten. Hier leben und arbeiten die Leute echt auf diesen kleinen, nur mit einem aus was auch immer geflochtenen, tunnelartigen Dach bestueckten, Booten. Nach ein paar Fotos kamen auch hier die Kids wieder und wollten mal eben einen Dollar fuers fotografieren - kategorisch abgelehnt. Nach ein paar Fotos von den Kindern und natuerlich auch anschauen der Bilder auf der Kamera, bin ich dann - nicht ohne meine Kinderfracht auf dem Gepaecktraeger, wieder zurueck zur Strasse, wo ich unter lautem Gelaechter auch mein Gepaeck wieder an die Erwachsenen los wurde. Nach einigen Gassen war ich dann auch wieder an der Bruecke und ab gings ins Hotel. Genug Hellos fuer heute - der Hintern tut mittlerweile auch weh, von den Beinen ganz zu schweigen - an einer komfortablen Sattelhoehe fehlten mindestens 20 cm, besser noch 30.
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