dancing in the moonlight...
From Das "Round the World" Abenteuer in Beijing, China on Jul 24 '08
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Zugfahren hat etwas Magisches, etwas Interessantes und Schoenes an sich...man hat das Gefuehl, die Zeit stuende still, die Welt in der man sich befindet sei eine neue, eigene Welt. Diese Welt hat andere Koordinaten, man verbringt nicht die Zeit auf irgendeiner gewissen Art und Weise sondern man traeumt...dieser vertraeumte Zustand, der Melancholie, Nostalgie, Zufriedenheit, Sorgenlosigkeit ausloest...Immer wenn dann eine Station kommt und der Zug anhaelt, zuckt man ein bisschen, wacht kurz auf und geraet in Panik: ist es soweit? Muss ich schon aussteigen? Muss ich zurueck in die Wirklichkeit? Tief ein- und ausatmen...und sich erleichtert wieder bequem hinlegen, nein, es war nicht meine Station, ich darf weiterhin meine eigene Welt geniessen...aber irgendwann ist es fuer jeden soweit, irgendwann kommt die Station fuer jeden der Fahrgaesten...irgendwann muss man der Wirklichkeit wieder in die AUgen schauen!
Fuer uns war es am 25. Juli soweit: wir kommen in Peking an. Die Ankunft war aber ein Schock, undzwar ein rechter: wo sind denn diese Ruhe, diese wunderbare Stille, diese Einsamkeit der endlosen mongolischen Weite, die Gemuetlichkeit der vereinzelten Gers, die ab und zu unterwegs der Landschaft etwas Abwechslung verliehen, wo sind die herrlichen Pferdeherden, die traumhaften Sonnenuntergaenge, die Musik des sich durch die Landschaft schlaengelnden Flusses, die Einfachheit des lebens in einer Welt, wo die Zeit so tut, als ob sie still stehen wuerde? Verschwunden...nichts davon ist uebrig geblieben...der Kontrast ist riesig: unglaublich grosse Wolkenkratzer die in den Himmel hinausragen, als ob sie jedem beweisen wollen wuerden, sie koennen es tun...unendliche Staus auf den Strassen, unglaublich viel Laerm ueberall, Menschen die sich irgendwohin beeilen, sich nicht einmal Gedanken darueber machen, eine Sekunde still zu stehen, tief einzuatmen und sich ueberlegen, wieso sie so rasen und nichts geniessen, Autos die vorbeifahren, Taxifahrer gierig nach Kunden, risige Velospuren auf den Strassen...eine moderne Welt, die alles ausser Zeit hat und alles, ausser Zeit haben moechte! Will ich diesen brusken Wechsel tatsaechlich? Ich denke nicht, ich waere viel liber noch irgendwo in der Naehe eines Gers in der Wueste...
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Aber ein Blick nach recht, ein Blick nach links und es genuegt um genau zu begreifen: diese Welt habe ich schon lange hinter mir gelassen, ich bin wieder mal im 21. Jahrhundert...
Wir machen uns auf den Weg in Richtung Hostel (Peking ist die einzige Stadt in China, in der wir in einem Hostel uebernachten werden, da wir die Buchung fuer das Visum gebraucht haben), sonst werden wir ueberall bei Leuten (wir hoffen mal, bei Einheimischen) zuhause schlafen. Die Taxifahrer koennen keine lateinische Buchstaben lesen...dafuer haben sie aber Natels und eine gewisse Hilfsbereitschaft, so dass sie direkt ins Hostel anrufen, um die Wegweisungen zu bekommen. Das Hostel sieht gemuetlich aus, aber wir haben Hunger. Also geht es gleich los in Richtung Essen. Mit der ueblichen Touristenkarte ausgeruestet (fuer die wir zum ersten Mal bezahlen mussten und nicht einfach gratis an einem Infoschalter gekriegt haben) finden wir zuerst mal ein Restaurant in der Naehe des Marktes. Bestellt wird einfach, die englische Variante des Menus ist vorhanden...wir freuen uns schon auf unsere erste Mahlzeit mit Staebchen...aber wieso werden wir so angestarrt? Ich gebe es zu, es war wohl nicht der Ort, wo die Mehrheit der Touristen ihre Freizeit verbringt, aber ein paar Europaer duerfen sie in ihrem Leben schon mal gesehen haben...Na ja, es ist verdammt schwer so zu essen, glaubt mir, obwohl das Essen super geschmeckt hat! Nach unserer scheinbar gratis angebotenen Show im Restaurant, verlassen wir den Platz und machen uns auf der Suche nach dem in der Karte gross eingezeichneten Park, der sich in der Naehe befinden sollte. Ihr denkt aber nicht, dass wir imstande waren, diesen zu finden, oder? Dafuer sind wir nachts durch die Gassen pekings spaziert und bis zur Verbotenen Stadt gekommen. Fuer eine Besichtigung war es zu spaet, aber um die Stimmung auf dem Platz zu geniessen, war es perfekt: Musik, Leute die ihren Alltag mal fuer ein paar Stunden vergessen wollen, tanzbegeisterte Menschen, die andern, weniger Fortgeschrittenen, neue Tanzschritte beibringen...herrlich! Einfach auf die Strasse gehen und tanzen, die Idee gefaellt mir. Wir schauen uns kurz in die Augen: "jetzt oder nie"...ach, machen wir doch "jetzt" daraus...und wir gesellen uns der tanzenden Menge. Es ist verdammt schwer, irgendwie drinn zu bleiben und keine falschen Schritte zu machen wenn man die Schritte gar nicht kennt und die Anweisungen auf Chinesisch sind ("i, ar, san, tz"....im Nachhinein durften wir feststellen, dass das 1,2,3,4 bedeuten sollte) Dancing in the moonlight...ein tolles Ende fuer den ersten Tag in China!
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26. Juli: Zuerst wird mal ausgeschlafen. Spaeter (viel spaeter als es der brave Tourist machen wuerde) wird losgegangen, natuerlich in Richtung Stadt! Wir kommen aber nicht wirklich weit, da haelt uns ein Kerl an, der uns eine gratis Einfuehrung in die Kunst der chinesischen Malerei geben moechten (wir wir in den naechsten Tagen herausfinden werden, das erste einer unendlichen Reihe solcher Angebote...nein, einmal reicht, danke! )...ok, wieso nicht? Ganz geduldig versucht er uns das eine und das andere zu erklaeren, nimmt sich seine Zeit...erfolglos aber, kaufen tun wir nichts! Dann probiert er es halt mit etwas anderem: er bietet uns Tickets fuer eine Akrobatikshow an. Ich meine, in Vchina zu sein und keine Akrobatikshow zu sehen, das gibt es ja nicht! Also nehmen wir sein Angebot an...ob das eine gute Entscheidung war? Ihn haben wir zumal gluecklich gemacht, etwas verkaufen konnte er doch!
Mit den neu ergatterten Tickets machen wir uns weiter auf den Weg in die Verbotene Stadt (wir haben es geschafft, kurz bevor die Kasse zugemacht hat, dort zu sein!) Die ist schoen, beeindruckend, gross, interessant...entspricht aber irgendwie doch nicht so ganz meinem Geschmack! Was aber an dem Tag der Highlight war, war der "Cole Hill", ein Park in der Naehe der Verbotenen Stadt (nachdem man ueberraschenderweise immer noch am Leben die Zone mit den Souvenirverkaeufern verlassen hat). Mit 5 pavillons und dem groessten davon in der Mitte auf einem Huegel, wo man eine tolle Aussicht ueber die ganze Stadt hat, begeistert uns dieser Platz. Wir verweilen etwas laenger dort um auch sehen zu koennen, wie sich die Daemmerung und spaeter sogar die schwarze Huelle der Nacht ueber Peking hinunterlaesst. Es war wirklich schoen!
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Eigentlich wollten wir heute Abend noch in den Ausgang, aber irgendwie war die Stimmung auf dem Cole Hill so gemuetlich, keine Lust mehr darauf...eher etwas gemuetlicher den Hunger stillen gehen und nachher die Barstrasse aufsuchen, um einen Drink zu geniessen. Nicht mehr...
Hm, was sollte man essen? Wenn man schon in Peking ist, dann sollte die Peking Ente nicht fehlen...und die sah super aus (wir waren in einem Restaurant mit Bildern und Englischer Karte, das ist schon die Luxus-Variante! ;-)) Erst nachdem wir bestellt haben, duften wir feststellen, wie daemlich wir sind: wir haben kantonesische Ente bestellt. Dafuer werden wir wahrscheinlich in Hong Kong verzweifelt nach Peking Ente suchen! ;-) Geschmeckt hat sie aber schon!
So, und nun die Barstrasse...nein, so gut waren wir auch wieder nicht, konnten nicht die richtige Barstrasse der Stadt finden, haben dafuer aber eine gemuetliche Gasse mit kleinen Bars gefunden, wo wir mal beschossen haben, einen Drink zu probieren. Ich blieb meinem Martini treu, Herr Meier wollte aber etwas mutiger sein: ein Cocktail (?) mit Reiswein....er hat das groessere (viel groessere) Glas als ich bekommen...und die hoehere Anzahl an Kohlenhydrate: er hatte tatsaechlich Reis im Glas...Reis mit Alkohool und etwas Suessem. Geschmeckt hat es nicht schlecht, gegessen hat er aber an dem Abend doppelt! ;-) Eine Bar die gleichzeitig auch als Restaurant zu verstehen ist, das finde ich cool! ;-) Und bei der Rueckfahrt schaffen wir es sogar, das Pekinger Metro leer zu sehen: ein Photo muss her, das passiert wirklich nicht selten!
27. Juli: Heute wird wieder mal ausgeschlafen... und auf der iste steht der Tempel des Himmels. Finden tun wir ihn diesmal schon, nur den Eingang uebersehen wir traumhaft und machen eine Runde um den ganzen Park, um festzustellen, dass wir in die falsche Richtung gelaufen sind: wenn wir nach der Metrostation einfach 10 m nach links anstatt nach rechts gelaufen waeren, haetten wir den Eingang gefunden....so durften wir aber "ein bisschen" bei der groessten Hitze im Kreis laufen und uns mit der Gegend bekannt machen. Der Tempel war schoen...aber langsam haben wir genug von chinesischen Tempeln (und auch genug Photos davon)... Nachdem wir ein paar komische Sachen in einer "Baeckerei" ausprobieren (niemals chinesischen Baeckereien vertrauen und wirklich leckere Gipfeli oder sonstiges Gebaeck erwarten!) und verzweifelt, aber wieder mal erfolglos Milch in einem Supermarket suchen (ausser ueber Nacht hat sich die Definition von Milch in " Getraenk mit undefinierbarem Geschmack, einer Tonne Zucker und einer komischen Farbe" umgewandelt)...machen wir uns auf den Weg zum Bahnhof: heute muessen wir noch die Tickets besorgen, um nach Xi'an weiterzufahren (wo die Terrakottaarmee ist). Am Bahnhof: kein Schalter auf Englisch angeschrieben (macht uns wirklich Hoffnungen,was die Englischkenntnisse der Angestellten angeht!) Irgendwie schaffen wir es der Dame beizubringen, dass wir 2 Tickets nach Xi'an wollen...klappt super, sie reicht uns die Tickets und wir sind auf Wolke 7, dass wir es geschafft haben, die ersten Tickets in China erfolgreich zu kaufen! Nur...warte mal, auf den Tickets (die auch die englischen Ortsnamen gedruckt haben) steht nicht Xi'an sondern Shiangh....weiss nicht mehr was! Warte mal, da wollen wir aber nicht hin, wir wollen nach Xi'an...also gehen wir zurueck und versuchen das der Dame zu erklaeren. Hm, das wird lustig! Wir hatten urspruenglich Xi'an gesagt (so wie es wahrscheinlich jeder Europaer aussprechen wuerde) und sie hat uns so was von falsch verstanden, weil wir das Wort nicht richtig betont haben (eine Sprache, die allein auf die Betonungen aufbaut ist verdammt heikel, meint ihr nicht?) Irgendwie (mit Hilfe einer etwas juengeren Kollegin, die ein bisschen etwas Englisch kann) versteht sie, was wir eigentlich wollen und wir kriegen unsere richtigen Tickets diesmal. Ok, das muss gefeiert werden, also entscheiden wir, eine komische Kokosnuss auszuprobieren, aus der man direkt trinken kann (Kokosnusswasser). Das Zeugs war riesig! Aber wir sind lernfaehig, die Schlussfolgerung des Tages: nie wieder Tickets in China kaufen gehen, ohne die chinesische Schreibweise des Ortsnamens von Wikipedia aufgeschrieben zu haben...sonst landet man noch ploetzlich irgendwo in der Pampas! ;-) Heute ist aber noch Waschtag (die Maschine waescht mit kaltem Wasser...also kein "goodbye Flecken" fuer uns in China! ;-))
28. Juli: Heute ist ein Weltwunder angesagt: die grosse Mauer! Wirklich schoen, beeindruckend und...steil! Erwartet haben wir schon viele Touristen (und Chineser) dort....aber unsere Erwartungen wurden um einiges uebertroffen...mensch war das laut! Und wie wir es nachher in den Bergen (ca. 10 Tage spaeter) herausfinden durften, war die grosse Mauer nur ein Kinderspiel! Autschhh, meine Ohren! ;-) Zurueck (und erschoepft...wir waren beide wie erschlagen: Schlafmangel, Hitze...ein paar der Gruende)mussten wir uns aber zusammenraffen: die Akrobatikshow ist heute noch auf dem Programm. na ja, eine Show war sie schon, aber von Akrobatik hat man da nicht viel gesehen, eher von Akrobatikschuelern, die am ueben waren und dabei noch ein Publikum hatten! Jetzt verstehen wir, wieso die Dame vom Empfang unseres Hostels so gegrinst hat, als wir ihr das Ticket gezeigt nd nach dem Weg dorthin gefragt haben! ;-)
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Peking hat mir aber gefallen...eine besondere Stimmung, irgendwie hat man das Gefuehl, man kann aus diesem hektischen Alltag, der mich bei der Ankunft so schockiert hat, doch fliehen, tier einatmen, es einfach geniessen und... im Mondlicht tanzen!
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